česky deutsch english

Die Kapelle Maria Hasenbrunn

Die Kapelle Maria Hasenbrunn am Kamenská-Berg bei der Ortschaft Střeziměřice

Etwa 4 km nordwestlich von Strobnitz, am Waldrand zwischen den Ortschaften Kamenná und Střeziměřice, befindet sich eine Quelle mit neu renovierter Votivkapelle. Dieser Ort wurde von den deutschen Einwohnern stets „Hasenbrunn“ genannt. Tschechisch wird der Gnadenort auch als „Hasenquelle“ oder nur als „Kamenská-Berg“ bezeichnet, da sich die Kapelle am Fuße eines bewaldeten Hügels befindet.

Über die Entstehung dieser Kapelle gibt es leider keine schriftlichen Quellen. Einer Legende nach erbaute sie ein verirrter Ritter als Dank für seine Rettung. Schriftlich bestätigt wurde jedoch später von anderer Seite, dass die Kapelle von Familie Schöppel gebaut wurde aus Dankbarkeit für die Heilung ihres Kindes. 1804 fertigte der Pfarrer aus Sonnberg entsprechend den Aussagen glaubwürdiger Zeugen ein Protokoll über die Entstehung der Kapelle an. Somit wurde deren Anfang auf die Zeit um die Mitte des 18. Jh. festgelegt.

Der Ort „Hasenbrunn“ war nach dem Bauernhaus „Zum Hosn“ der Familie Schöppel benannt. Ursprünglich wurde hier nur eine kleine Holzkapelle über der Quelle errichtet. Erst 1845 entstand eine Steinkapelle, die der Pfarrer aus Sonnberg 1893 einfrieden ließ. Der Vorplatz wurde mit Steinplatten ausgelegt. 1927 erfolgte eine erste Restaurierung der Kapelle, Karl Georg Graf von Buquoy ließ sie im Jahr 1940 erneut sanieren. Ein Schriftzug „Quelle aller Freuden, o Maria hilf!“ zierte sie seither, und eine große Lourdesstatue wurde in der Kapelle aufgestellt.

Franz Bild aus Schweinitz fasste und restaurierte die Statue. Am Fest Peter und Paul kamen Pilger in Prozession aus Gratzen, Strobnitz, Reichenau bei Gratzen, Valtéřov und Sonnberg. Auch bei Bittgängen hielt man in Hasenbrunn stets zum Gebet inne.

Der Ort befand sich am Rande des deutschsprachigen Raumes und war seit 1939 Okkupationsgebiet des nazistischen Deutschlands. Von 1940-1945 gehörte die Pfarrei Sonnberg zur Diözese Linz.

Am 4. Juli 1943 weihte der Bischof von Linz, Msgr. Josef Fliesser, die restaurierte Kapelle ein. Dazu waren viele Gläubige in Prozessionen aus den umliegenden Ortschaften und Nachbarpfarreien (Reichenau bei Gratzen, Beneschau) gekommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Aussiedelung der Einwohner aus der Umgebung von Hasenbrunn in Jahren 1945-46 wurde die Kapelle verwüstet. Ende der 80er Jahre befand sie sich in völlig verwahrlostem Zustand. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 wurde sie jedoch auf Initiative von František Opelka aus Beneschau und P. Bonfilius Wagner OSM aus dem Servitenkloster in Gratzen im Zeitraum von 1999-2000 restauriert.

Die Sanierungsarbeiten leitete die Firma Milan Sedlák Renova aus Kaplitz. Die Umfriedung der Kapelle wurde neu gemauert und die Quelle neu gefasst. Die Aufschrift „Quelle aller Freuden, o Maria hilf!“ ziert nach wie vor die Fassade. Der deutsche Priester Hermann Differenz, dessen Vorfahren aus Reichenau bei Gratzen stammten, stiftete eine Pietà aus Gips. Schließlich wurde die Kapelle am 24. Juni 2000 durch P. Bonfilius Wagner eingeweiht.

„Maria Hasenbrunn“ ist in quadratischer Form erbaut, hat ein Giebeldach und trägt an der Stirnseite ein Schild im Barockstil. Dort sprudelt auch die Quelle. Ein geschmackvolles Gitter schmückt den Eingang.

Die Gnadenkapelle, die von Nadelwald umgeben ist, liegt inmitten von malerischer Landschaft. Sie ist heute ein beliebtes Ziel für Pilger und Wanderer, die gern für eine persönliche Andacht kommen.

(Černý, J., Poutní místa Českobudějovicka a Novohradska , Veduta, České Budějovice: 2004, ISBN 80-86829-03-0)