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Kirche und Kloster Gratzen

Eine Pfarrkirche wird im Jahre 1284 erstmals erwähnt. Gratzen wurde dann 1425 durch Taboriten zerstört. Bevor es sich von diesem Schlag erholen konnte, wurde es 1467 wiederum niedergebrannt, als sich Zdenìk von Sternberg an Johann von Rosenberg rächte, der treu zu Georg von Podìbrad hielt. Wie schwer es die Stadt damals hatte, lässt sich aus der Baugeschichte der neuen Kirche erahnen. Man konnte mit dem Bau überhaupt erst nach 1500 beginnen, und erst 1590 wurde das Gotteshaus vollendet. Umso mehr bewundern wir den edlen gotischen Bau, der außen nur am Turm kleine Veränderungen erfahren hatte. Der erste Turm wurde nämlich 1607 vom Blitz getroffen und daraufhin im Renaissancestil erhöht und mit einer Zwiebel im gleichen Stil versehen. Dies zeigt auch ein Bild des Klosterstifters Ferdinand von Buquoy in Rosenberg. Im Jahre 1726 erhielt der Turm dann die heutige barocke Zwiebel. Die Seelsorgearbeit oblag bis zur Gründung des Servitenklosters 1677 den Zisterziensern aus Hohenfurt. Mit dem Bau des Klosters waren auch Veränderungen im Innenraum der Kirche verbunden. Es entstand die neue Sakristei, und die Kirche erhielt eine frühbarocke Innenaustattung. Der Hauptaltar und zwei Seitenaltäre aus dem Jahr 1678 stammen von einem unbekannten Meister. Den gleichen Hochaltar finden wir aber auch in der Kirche zum hl. Bartholomäus in Pelhøimov. Die Kanzel, die Beichtstühle und die Bänke stammen aus dem Jahr 1697. Im Jahr 1733 wurde die Kirche mit Granitplatten ausgelegt. Das Altarbild des Hochaltars stellt die Sendung des Heiligen Geistes dar. Darüber ist ein Bild des Mailänder Kardinals Karl Borromäus, der 1584 starb und 1610 heiliggesprochen wurde. Eine Statue des hl. Wenzel, zusammen mit dem hl. Sigmund und dem hl. Adalbert, bildet den Abschluss des Altarbildes. Links und rechts des Altarbildes stehen die überlebensgroßen Statuen der hll. Petrus und Paulus. Reliefs am Altarunterbau zeigen Begebenheiten aus ihrem Leben: Petrus wird von einem Engel aus dem Kerker befreit, Paulus dagegen wird von seinen Verfolgern gerettet, indem er in einem Korb von der Stadtmauer von Damaskus heruntergelassen wird. Über dem Tabernakel befindet sich in kostbarem Rahmen ein 17x34 cm² großer verblichener Holzschnitt, der Maria vom guten Rate darstellt. Karl Bonaventura von Buquoy hatte das Marienbild im Jahr 1619 aus einem brennenden Haus in Záblatí gerettet. Den Annaaltar schmücken Statuen der hl. Katharina mit dem Rad und der hl. Barbara mit Schwert und Kelch. Den Abschluss bildet der Erzengel Michael. Beim Altar der sieben Gründer des Servitenordens stehen Statuen der hll. Sebastian und Rochus, oberhalb davon eine Skulptur des hl. Georg. Die Statuen von zwei Heiligen des Servitenordens, des hl. Peregrin unter dem Kreuz und des hl. Philippus Benitius, befinden sich auf dem Annaaltar bzw. bei der Kanzel zwischen den vier abendländischen Kirchenvätern.

  

Das Marienbild aus Záblatí

Das Bild „Maria Trost“, auch „Marienbild aus Záblatí“ genannt, befindet sich beim Hauptaltar der Kirche St. Peter und Paul in Gratzen und misst nur 17x34 cm². Es ist eine ikonografische Darstellung von Maria auf dem Halbmond, das Jesuskind auf dem linken Arm. Es handelt sich um ein Bild, das Karl Bonaventura Graf von Buquoy 1619 während der Schlacht bei Záblatí unweit von Vodòany aus einem brennenden Haus gerettet hatte. Er trug es stets bei sich und betete zur Jungfrau Maria. Nach seinem Tod wurde das Marienbild auf einem Heereszug nach Nové Zámky ins ehemalige Ungarn gebracht, und schließlich gelangte es in die Jesuitenkirche St. Anna in Wien, wo es sehr verehrt wurde.
Im Jahr 1674 konnte die Familie von Buquoy das Bild nach Gratzen zurückbringen. 1679 ließ Gräfin Margaretha von Buquoy das vom Feuer geschwärzte Gnadenbild in einen Goldrahmen geben, und von da an wurde es jedes Jahr am Fest Mariä Geburt in Gratzen feierlich verehrt. Am 11. Juni 1753 fand das Bild seinen Platz am Hauptaltar der Servitenkirche, wo es auch im 19. Jh. das Ziel für viele Pilger aus der Umgebung war. Am 8. Mai 1974 gedachte man in Volders in Tirol beim 300-Jahr-Jubiläum der Rückkehr des Bildes nach Gratzen. Bis heute ist die Gottesmutter aus Záblatí auch auf Pilgerzugsfahnen zu sehen.

(Èerný, J., Poutní místa Èeskobudìjovicka a Novohradska, Veduta, Èeské Budìjovice: 2004, ISBN 80-86829-03-0)