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Pfarrkirche St. Nikolaus, Strobnitz (Horní Stropnice)

Strobnitz liegt an einem alten Verkehrsweg zwischen Weitra und Teindles. Der böhmische Herzog Friedrich gab das Gebiet um Weitra und damit auch Strobnitz 1185 Hadmar von Kuenring als Lehen. Es ist gut möglich, dass bereits unter seiner Herrschaft im Jahr 1200 in Strobnitz die erste Kirche erbaut wurde. Im Jahre 1257 erhielt Herr Wok von Rosenberg eine Hälfte von Strobnitz als Mitgift seiner Gattin Hedwig von Schaumburg. Die zweite Hälfte gehörte damals Albert von Payreschau, der sich ab 1279 „von Strobnitz“ nannte. Schon um das Jahr 1302 war Strobnitz ein Marktflecken mit einem wöchentlichen Viehmarkt und einem Jahrmarkt am Fest Christi Himmelfahrt. Dieses Privileg bestätigte im Jahr 1607 Kaiser Rudolf II. und 1848 auch Kaiser Ferdinand I. Er fügte dem Jahrmarkt zwei weitere hinzu, und zwar am 5. Februar und am 6. November. Die Besitzer der beiden Hälften von Strobnitz wechselten, bis im Jahre 1359 ganz Strobnitz in den Besitz der Rosenberger überging, wo es bis zum Aussterben des Geschlechtes im Jahr 1611 verblieb. Für kurze Zeit fiel Strobnitz den Schanbergern zu, im Februar 1620 erhielt es schließlich Karl Bonaventura von Buquoy mit der Herrschaft Gratzen. 1623 erließ Maria Magdalena, die Gattin des verstorbenen Karl Bonaventura, der am 10. Juli 1621 bei Neuhäusl in der Slowakei gefallen war, dem Markt Strobnitz wegen vollständiger Verarmung alle Abgaben. Von 1476 bis 1486 wurde Strobnitz an Ulrich von Grafeneck verpfändet. Sein Feind Rubik von Hlavatec brannte im Jahre 1486 den Ort samt der Kirche nieder. Dieser Brand bildet einen Meilenstein in der Baugeschichte der Kirche. Ursprünglich wurde sie im romanischen Stil erbaut, was noch am Turm sichtbar ist. Da auch die Balkendecke über dem Kirchenschiff verbrannte, wurde es nun im gotischen Stil als dreischiffig eingewölbt. Im gleichen Stil sind auch das Presbyterium, die alte Sakristei und der Uhrturm über dem westlichen Eingang errichtet. (Letzterer wurde später umgebaut.) Der Kirchenkomplex wurde nachträglich nur noch ergänzt durch einen Vorraum im Renaissancestil beim südlichen Eingang und schließlich durch die neue Sakristei im Barockstil sowie durch eine offene Kapelle zwischen dem südlichen Eingang und einem Strebepfeiler.

Die Seelsorge übergab Heinrich von Rosenberg 1286 den Zisterziensern von Hohenfurt, die sie bis 1945 ausübten. Zur Pfarrei gehörte auch das Gebiet der jüngeren Pfarreien Heilbrunn und Brünnl, die unter Kaiser Josef II. ausgegliedert wurden. Der Friedhof befand sich bis zum Jahr 1801 bei der Kirche; die Marienstatue auf dem Marktplatz wurde 1765 errichtet.

Der Hochaltar ist eine Arbeit der Mönche von Hohenfurt aus dem Jahr 1649. Auf dem Altarbild ist der hl. Nikolaus dargestellt, der die Jungfrau Maria mit dem Kind verehrt, im Hintergrund halten zwei Engel den Hirtenstab des Heiligen und eine Schale mit Äpfeln. Zu beiden Seiten des Bildes befinden sich Statuen von Heiligen aus dem Zisterzienserorden, oberhalb davon ein Bild der Heiligsten Dreifaltigkeit mit Statuen der hll. Veit und Wenzel. Den Abschluss des Hochaltars bildet der hl. Michael. Die ursprünglichen Seitenaltäre stammten ebenfalls aus dem Jahr 1649, sie wurden jedoch durch neue ersetzt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg blieb vom gotischen Inventar nur noch der Taufstein übrig. Die Kanzel im Rokokostil wurde 1777 vom Schnitzer Bernhard Mayer aus Heilbrunn für 92 Gulden angefertigt.