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Wallfahrtsort Dobrá Voda (Brünnl)

Lage

Der bekannte Wallfahrtsort Maria Trost in Brünnl, auch das „südböhmische Lourdes“ genannt, gehört zu den fünf von der Missionsgemeinschaft Familie Mariens am 15. August 2005 übernommenen Pfarreien in der Diözese Budweis in Tschechien (Nové Hrady, Strobnitz, Reichenau, Brünnl und Heilbrunn). Maria Trost in Brünnl liegt am Nordhang der Gratzener Berge auf 695 m Höhe im südlichsten Teil Böhmens und ist eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft inmitten von Wäldern, Wiesen, Flusstälern und Moorgebieten. Die Gratzener Berge bilden die natürliche Grenze zu Österreich. Die Geschichte dieses Ortes ist mit der Entdeckung der Heilquelle am Abhang des Kuhberges Ende des 17. Jh. verbunden.

Anfang und Entwicklung

Drei junge Männer aus der Gegend hatten damals mehrere Visionen, in denen sie Pilgerscharen zur soeben entdeckten Quelle strömen sahen. Einer von ihnen, Matyá Egidi, erhielt während der Vision den Auftrag, an dieser Stelle eine Kapelle zu bauen. Schon bald reichte sie nicht mehr aus, um den Andrang der Besucher aufzunehmen, die hier in großer Anzahl auch körperliche Heilung erfuhren. So begann Albert Karl Graf von Buquoy mit dem Bau der heutigen Barockkirche, deren Grundstein am 13. Mai 1706 gelegt wurde. Die ständig wachsende Zahl der Pilger bedingte die Errichtung einer Pfarrei (1708), die Vollendung des Pfarrhauses (1719), die Gründung der Buquoy-Residenz (1718), den Bau des Pilgerhauses und die Errichtung des Friedhofes (1786). Zusammen mit der Entwicklung des Wallfahrtsortes begann auch das neue Städtchen Brünnl zu wachsen, das Ende des 19. Jh. etwa 100 Häuser und 500 Einwohner zählte. Das Stadtbild wurde damals schon von Kirche, Pfarrhaus, Schule, Badeanstalt und Postamt geprägt.

Die Wallfahrtskirche

Die Kirche wurde in den Jahren 1708 bis 1715 in reichem Barockstil erbaut. 1718 wurde der Hauptaltar vergoldet und 1727 eine Orgel angeschafft, die ohne wesentliche Veränderungen bis heute funktioniert. 1729 entstanden die Fresken. Die letzte umfassende Renovierung erlebte die Kirche im Jahr 1888 auf Initiative von Filipiny Buquoy, geborene Czernín.

Das südböhmische Lourdes

Die Bedeutung des Wallfahrtsortes in Brünnl zeigte sich unter anderem in der Zahl der ausgeteilten Hll. Kommunionen. Im Jahre 1762, 50 Jahre nach der Einweihung der Wallfahrtskirche, wurden über 60.000 Kommunionen ausgeteilt, und auch zu Beginn des 20. Jh. kamen jährlich etwa 50.000 Pilger in 400 Prozessionen. Nach Angaben des Buches „Österreichs Wallfahrtsorte“ von P. Alfred Hoppe (St. Norbertus Verlag, 1913) war Brünnl für den sudetendeutschen Bereich der Budweiser und Pilsener Diözese sogar der größte Wallfahrtsort - aber nicht nur regional, denn aus ganz Tschechien und aus Österreich, Mähren, Bayern, Ungarn und Slowenien sowie aus der Slowakei strömten Pilgerscharen zum Gnadenbild Maria Trost und zur Heilquelle. Die große Anzahl der Votivgeschenke und Zeugnisse weist auf die Gnadengaben hin, die viele Menschen an diesem Ort empfangen haben. Der bekannte tschechische Schriftsteller Zikmund Winter erlaubte sich deswegen zu Beginn des 20. Jh., den Wallfahrtsort in Brünnl das „südböhmische Lourdes“ zu nennen.

Der Kommunismus

Eine schwere Zeit überschattete den Ort nach dem Zweiten Weltkrieg, als es zur Vertreibung beinahe aller Einwohner von Brünnl, vor allem deutscher Nationalität, kam. Nach der Machtübernahme durch das kommunistische Regime im Jahr 1948 wurde außerdem eine schwer betretbare Grenzzone errichtet. Brünnl lag nur drei Kilometer vom Eisernen Vorhang entfernt. Die Gebäude waren immer mehr dem Verfall preisgegeben. Als Erstes ging das Pilgerhaus unter, das nach dem Brand im Jahr 1949 nicht mehr erneuert wurde. 1963 erfolgte der Abriss der Buquoy-Residenz, die durch Brandstiftung zerstört worden war. Man hoffte, dass das Feuer der Buquoy-Residenz auch das Schindeldach der angrenzenden Wallfahrtskirche in Flammen setzen würde. Diese Hoffnung wurde jedoch enttäuscht, weil durch Gottes Hilfe im letzten Augenblick der Wind drehte. Von der Zerstörung verschont blieb zum Glück auch das Gebäude des barocken Pfarrhauses, wo in den 70er Jahren Ordensschwestern der „Englischen Fräulein“ interniert waren. Ihnen und dem in dieser Grenzzone ebenso untergebrachten P. Prajer ist es zu verdanken, dass die Pfarrgebäude zumindest eine Grundinstandhaltung erfahren hatten. Zur gründlichen Renovierung der Fassade kam es gegen Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Vom Fall des Eisernen Vorhangs bis heute

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 begann ein neues „Zeitalter“. Die Serviten hatten in jahrelanger unermüdlicher Arbeit ihr Kloster in Nové Hrady von Grund auf renoviert. Seither betreuten die Patres auch die etwa 18 km entfernte Pfarrei Brünnl mit der Wallfahrtskirche Maria Trost. Die alten traditionellen Wallfahrten aus Tschechien und besonders auch aus den österreichischen und deutschen Grenzgebieten nehmen seitdem wieder zu. Jeden 13. des Monats findet eine Fatimafeier mit Kerzenprozession und Hl. Messe statt. Neben der wöchentlichen Sonntagsmesse können nach Absprache auch die angemeldeten Pilgergruppen von den Priestern aus Nové Hrady betreut werden. Die negativen Folgen des Atheismus sind jedoch bis heute spürbar, so dass hier eine grundlegende Neuevangelisation geschehen muss! Nachdem die Serviten ihren Dienst im Jahr 2005 in Tschechien beendet hatten, befürchteten die Gläubigen den allmählichen Untergang des Wallfahrtsortes. Durch das Kommen unserer Missionsgemeinschaft ist jedoch eine neue Situation eingetreten. Pilger aus dem In- und Ausland erhoffen sich neues geistiges Leben, und es werden vermehrt Pilgerfahrten, Einkehrtage und Treffen zur Völkerverständigung organisiert. Eine umfassende Betreuung der Pilger kann aber nur zustande kommen, wenn die Infrastruktur angepasst wird. Dazu gehören neben der Unterkunft für die Schwestern im Pfarrhaus und den sanitären Einrichtungen auch entsprechende Räume für den Aufenthalt der Pilger. Dies soll in einer zukünftigen Bauphase verwirklicht werden.

Besichtigung in der Kirche Maria Trost in Brünnl

Die Kirche ist tagsüber geöffnet.
Von Montag bis Samstag ist um 9.30 Uhr Rosenkranz und um 10.00 Uhr hl. Messe (Tschechisch), Mittwochs ist schon um 7.00 Uhr hl. Messe in deutscher Sprache und dann Anbetung, 19.00 Uhr Rosenkranz und eucharistischer Segen.
Am Sonntag ist um 13.30 Uhr die hl. Messe in Tschechisch und um 15.00 Uhr in Deutsch. Für Führungen bitten wir Sie, sich in Maria Trost am Festnetz 00420 386 321 678 oder bei Sr. Colette 00420 732 831 339 zu melden. Danke.

An jedem 13. des Monats (außer es ist ein Sonntag, dann am 12.) feiern wir den Fatimatag in Dobrá Voda; die Hl. Messe ist von Mai bis Okt. um 18.00 Uhr, Anbetung um 17.00 Uhr (Tschechisch mit Übersetzung auf Deutsch). Von November bis April gibt es zusätzlich die deutschsprachige Fatimafeier um 13.30 Anbetung und um 14.30 Hl. Messe

Für Informationen zur Wallfahrtskirche bitte im Schwesternhaus in Brünnl läuten, außer in der Zeit: von 11.00 – 13.30 und 15.00 – 16.00! Danke!