èesky deutsch english

Der Servitenorden

Der Servitenorden (Ordo Servorum Mariae) wurde im 13. Jh. in Florenz in Italien von sieben Kaufleuten gegründet. Diese Männer gaben auf Wunsch der Gottesmutter ihren bisherigen Lebensstil auf und wurden die ersten Diener Mariens. Das erste Kloster wurde auf dem Monte Senario bei Florenz gegründet, von wo aus sich der Orden zuerst in Italien, dann in ganz Europa und später weltweit verbreitete. Die Serviten gehören zu den sogenannten Bettelorden und leben nach der Ordensregel des hl. Augustinus. Die Säulen der Spiritualität des Servitenordens sind: Dienen, brüderliche Einheit, Marienliebe und Barmherzigkeit.

  • „Diener des Herrn und der Menschen nach dem Vorbild Mariens“

Dieses Motto der sieben Ordensgründer bildet den zentralen Auftrag des Servitenordens. Besonderer Wert wird im Orden auf die brüderliche Gemeinschaft gelegt.

Die Serviten sehen in ihrem Apostolat die Gestalt Mariens zu Füßen des Kreuzes als ihr Leitbild an. Da der Menschensohn noch immer in seinen Brüdern gekreuzigt wird, wollen die Diener Seiner Mutter mit ihr zu Füßen dieser unzähligen Kreuze stehen, um Trost und erlösende Gnade zu vermitteln.

Im Apostolat lassen sich die Ordensbrüder auch vom Vorbild des leidenden Gottesknechtes inspirieren (vgl. Jes 42,17;49, 1-9;50,4-11;52,13-53,12), der kam, um zu dienen und sein Leben für andere hinzugeben (vgl. Mk 10,45). Er war bei seinen Jüngern „als der, der dient“, mit dieser demutsvollen Haltung Mariens. Maria selbst bezeichnete sich als „Magd des Herrn“, als sie in ihrer Berufung als Mitarbeiterin Gottes am Erlösungsplan zur Menschwerdung Gottes ihr Jawort gab (Lk 1,38).

In ihrer Hingabe an die Liebe Gottes möchten die Serviten Tag für Tag ihr Kreuz auf sich nehmen. Im Bewusstsein, dass ihr Tun einmal nach den Worten Jesu beurteilt werden wird: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben ... ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet“ (Mt 25,35-36), wollen sie auf ihre eigenen Interessen verzichten, um Jesus in seinem erlösenden Handeln am Menschen nachzuahmen.

  • „Brüderliche Gemeinschaft“

Der Orden geht nicht auf die Persönlichkeit eines Einzelnen zurück, der seine Jünger um sich scharte, sondern auf die brüderliche Gemeinschaft der sieben Gründer. Das ist nicht nur einmalig in der Kirchen- und Ordensgeschichte, sondern erklärt auch den Wert der brüderlichen Liebe und Gemeinschaft im Orden, von der Gründungszeit bis heute.

  • „Marianische Inspiration“

Die Ganzhingabe an die Gottesmutter ist ein weiteres Grundelement der Spiritualität des Servitenordens. Der geistlichen Weg der sieben Ordensgründer ist von Anfang an tief mit Maria verbunden.

Als Serviten, als Diener Mariens, verehren sie Maria besonders als Schmerzensmutter, die am Leben und Erlöserleiden ihres Sohnes auf einzigartige Weise teilgenommen hat.

  • „Barmherzigkeit“

Nach dem Vorbild der Jungfrau Maria, der Mutter der Barmherzigkeit, bemühen sich die Serviten um die barmherzige Liebe, sowohl in ihrer Klosterfamilie, als auch im Umgang mit den ihnen Anvertrauten im Apostolat.

Geschichte des Servitenordens

1233 - Jahr der Ordensgründung in Florenz durch sieben Kaufleute.
1241 - Die sieben lassen sich auf dem Monte Senario bei Florenz nieder (erstes Kloster dieses Ordens).
1250 - Bau der Servitenkirche „Santissima Annunziata“ vor den Toren der Stadt Florenz.
1299 - Es entsteht eine eigene Ordensprovinz in Deutschland mit vier Klöstern.
1304 - Offizielle Bestätigung des Ordens durch Papst Benedikt XI. (Bulle „Dum levamus“).
1310 - Tod des hl. Alexius, des letzten der sieben heiligen Ordensväter.
1360 - In Prag „Na Slupi“ Bau des Klosters mit der Maria-Verkündigungs-Kirche.
1300 - 1400 - Starke Verbreitung des Ordens. Zentren des Ordens sind in Florenz, Siena und Bologna. Gründung der Klöster in Venetien. Die Zahl der deutschen Klöster steigen von neun auf dreizehn an.
1500 - 1600 - Alle deutschen Klöster werden durch die Reformationswirren aufgelöst. In Italien infolge der Reformation allgemeiner Aufschwung des Ordenslebens. Servitentheologen nehmen am Konzil von Trient teil. 1539 entsteht auf dem Monte Senario ein Reformzweig des Ordens, die „Eremiten vom Monte Senario“.
1627 - Neue Klostergründung St. Michael in der Prager Altstadt.
1628 - Die Serviten lassen sich für kurze Zeit am Weissenberg nieder.
1666 - Die Serviten gründen den Konvent in Rabstein mit der Kirche der Schmerzensmutter.
1675 - Gründung des Klosters im Jaromìøice nad Rokytnou mit der Loreto-Kirche.
1677 - Eintreffen der Serviten in Gratzen und Gründung des Servitenklosters St. Peter und Paul.
1700 - Es entstehen Provinzen in Frankreich und Spanien.
1710 - Gründung des Klosters in Králíky in Osttschechien mit der Maria-Himmelfahrts-Kirche.
1714 - Gründung des Klosters in Veselí nad Moravou mit der Schutzengel-Kirche.
1739 - Gründung des letzten Servitenkonvents auf tschechischem Boden in Konojedy bei Leitmeritz mit der Maria-Himmefahrts-Kirche.
18. Jh. - In der ersten Hälfte des Jahrhunderts erleben die Serviten ein großes Aufblühen des Ordenslebens, das leider durch die Reform Kaiser Josefs II. ein Ende findet. Von acht tschechischen Servitenklöstern werden sechs aufgelöst.
19. Jh. - Durch die Säkularisation Napoleons verschwindet der Orden ein zweites Mal aus Deutschland. Es werden neue Klöster in England, Frankreich, Belgien und in den USA gegründet.
1883 - Auflösung des Klosters in Králíky. Die Verwaltung des Wallfahrtsortes auf dem Berg der Muttergottes in Králíky wird dem Redemptoristenorden übertragen.
1886 - Auflösung der tschechischen Servitenprovinz. Das Gratzener Kloster, der letzte Servitenkonvent in den tschechischen Ländern, wird der Tiroler Provinz des Servitenordens einverleibt.
1888 - Heiligsprechung der sieben Gründer des Servitenordens.
1893 - Filipina von Buquoy gründet in Gratzen ein Kinderheim. Die Führung wird dem weiblichen Zweig der Serviten, den sogenannten „Mantelantinnen“, anvertraut.
1950 - Schließung aller Männerklöster in der Tschechoslowakei.
1991 - Wiedereinführung des Servitenordens in der Tschechoslowakei und Erneuerung des Gratzener Konvents.
2006 - Übergabe der Verwaltung des Gratzener Klosters an die Gemeinschaft päpstlichen Rechts „Familie Mariens“.

Heute wirken die Serviten in mehr als 30 Ländern auf allen Kontinenten. In Tschechien, in Dobrá Voda bei Budweis, bei der Kirche der Schmerzensmutter, leben Schwestern der Kongregation Sester Služebnic Panny Marie Galeacké, die auch zur großen geistigen Familie der Serviten gehört. Nähere Informationen über den Servitenorden sind erhältlich über P. Fero Bachorík OSM, den Prior des Servitenklosters in Innsbruck, oder über die Website www.serviten.at.